Systemumstellung bei E.ON BayernNach mehreren Wirtschatlichkeitsprüfungen und Tests entschied sich E.ON Bayern für die Funk-Rundsteuerung und realisierte noch größere Vorteile als erwartet.
(Exzerpt des Beitrags aus ew, Jg. 101 (2002), Heft 20, S. 30 ff, 822 KB)
Bereits in den Vorgängerunternehmen der E.ON Bayern AG wurden Untersuchungen zum Einsatz der Funk-Rundsteuerung durchgeführt. Der durch mehrere Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen bestätigte Beschluss, die Tonfrequenz-Rundsteuerung durch die Funk-Rundsteuerung abzulösen brachte E.ON Bayern ein zukunftsfähiges Rundsteuersystem, das problemlos an Anforderungen der Zukunft angepasst werden kann.
Insgesamt wurden acht 110-kV-Sendeanlagen und 183 20-kV-Sendeanlagen in die Untersuchung einbezogen. Sowohl für die Hoch- wie auch für die Mittelspannungsanlagen erwies sich die Funk-Rundsteuerung als wirtschaftlicher. In Summe ergaben sich rund ein Drittel geringere Kosten bei der Funk-Rundsteuerung im Vergleich zur konventionellen Technik.
Die Wirtschaftlichkeit entwickelte sich durch "Mitnahmeeffekte" noch günstiger als prognostiziert. Beispielsweise konnten 110-kV-Schaltfelder nach Abschaltung der Tonfrequenz-Rundsteueranlage für andere Zwecke genutzt werden
Für die Funk-Rundsteuerung sprachen die Vereinfachung des Netzbetriebes, die Erhöhung der Spannungsqualität sowie die Unabhängigkeit des Empfangsgebietes vom Energieversorgungsnetz.
Im Herbst 2002 wurde der erste große Meilenstein erreicht. 95.000 Schaltgeräte wurden seit Sommer 1998 ausgetauscht. Um die Betriebssicherheit der Tonfrequenz-Rundsteuerung aufrecht zu erhalten, wären bei den nahezu 30 Jahre alten Sendeanlagen, der Rundsteuerzentrale und altersbedingt störanfälligen Rundsteuerempfängern umfangreiche Erneuerungs- und Ersatzbaumaßnahmen erforderlich gewesen.
Grundvoraussetzung für die Systementscheidung bei E.ON Bayern war der Nachweis der Zuverlässigkeit, die Realisierung des gewohnten Funktionsumfangs und nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit. Im Jahr 1995 wurde über neun Monate ein Feldversuch mit 1.000 Funk-Rundsteuerempfängern durchgeführt. Es gelang, die Zuverlässigkeit des Systems nachzuweisen.
Auch der gewohnte Funktionsumfang konnte erhalten werden. Besonders die Umsetzung der witterungsabhängigen Heizungssteuerung - im Altsystem wurden 30 Heizungsgruppen vom Prozessrechner gesteuert - war eine besondere Herausforderung.
Wichtig war auch, mit wenigen Rundsteuersendungen eine hohe Betriebssicherheit zu erzielen. Im Ergebnis gelang es, durch Verlagerung von Funktionalitäten in den Empfänger die Anzahl der regulären täglichen Rundsteuersendungen von rund 130 auf 1 Sendung zu reduzieren. In den Sommermonaten kann der Sendebetrieb sogar gänzlich ruhen.
Die Funk-Rundsteuerung wird bei E.ON Bayern seit 1998 betrieben. 2002 waren 140.000 Funk-Rundsteuerempfänger im Netz. Die Geräte, sowie die Systemtechnik erwiesen sich als absolut zuverlässig. Es sind - abgesehen von Einzelfällen - keine Gerätestörungen aufgetreten. Die Langwellensender, die Zentralrechner, Bedienstationen und Übertragungswege zeichneten sich durch hohe Verfügbarkeit aus. Rundsteuersendungen wurden (unabhängig von der gewählten Priorität) sofort ausgeführt. Die Reaktionszeiten sind bei der Funk-Rundsteuerung deutlich geringer als bei der Tonfrequenz-Rundsteuerung.